Einmal im Jahr lebt der immer währende Krieg zwischen Viertaktern und Zweitaktern wieder auf. Der Wahnsinn hat einen Namen: Hannibal Challenge. Die Herausforderung der besonderen Art.

Die Bayern sind ja bekannt dafür, dass sie a bissle komisch sind. Deshalb kann es auch nur einem Bayern einfallen, ein Motorradrennen von Italien nach Bayern zu organisieren. Auf den Spuren des Feldherrn Hannibal geht es von Rom  über die Alpen nach Speinshart, einem kleinen Dorf in der Nähe von Regensburg

 

Hannibal Challenge, Das heisst:

  • Gesamtstreckenlänge ca. 1300 km, gefahren in 4 Tagesetappen

  • Etappenziele werden am Vorabend bekannt gegeben

  • geschlafen wird am Etappenziel, meist auf irgendwelchen Parkplätzen

  • Waschmöglichkeiten so gut wie nicht vorhanden

  • keine Autobahnbenutzung erlaubt

  • maximal 3 Fahrer pro Team

Einzige Einschränkung an den Fahrzeugen:

  • Nicht mehr als 49 ccm Hubraum

  • Moped muss versichert sein

  • Fahrzeug muss in einem technisch einwandfreien Zustand sein

Der Veranstalter behält sich vor, den Hubraum am Ende der Challenge zu kontrollieren. Nichteinhalten des Hubraumes führt zur sofortigen Disqualifikation mit anschliessendem teeren und federn.

Eingestuft werden die Fahrzeuge in 4 verschiedene Klassen:

Mofa/Mokick/Roller/Kleinkraftrad, auch Königsklasse genannt


Brainless Racing Team:

Das Brainless Racing Team hat sich auf die Fahnen geschrieben, der übermächtigen, internationalen Zweitaktarmada zu zeigen, wo der 4-Takt-Hammer hängt. Nicht so einfach mit nur 49 ccm. In den letzten 2 Jahren der Hannibal Challenge ist es uns trotzdem gelungen, den eingefleischten Zweitakt-Jüngern das Fürchten und Staunen zu lehren. Im Jahr 2002 waren wir mit einer Honda CB50 und im letzten Jahr mit einem CY50-Gespann erfolgreich im Einsatz. Dieses Jahr wollten wir der Königsklasse zeigen, wo die Musik spielt und, um es diesmal auch ein wenig legaler angehen zu lassen, haben wir uns für ein Honda SS50 Kraftrad Bj. 67 entschieden. Nach langwierigen Vollgutachten- und Zulassungsquerelen starteten wir gut gelaunt am 24.05.05 gen Rom.


1.Etappe Rom-Bologna: 26.05.05/ca. 450km/Start 06:00

Am Start stehen 17 Teams, davon starten 7 Teams in der Königsklasse. Gleich nach dem Start trennte sich die Spreu vom Weizen. Die erfahrenen Teams verliessen Rom auf Geheimwegen, wobei die Rookies versuchten, sich gemeinsam einen Weg durch das erwachende Rom zu schlagen. Ziemlich zügig haben wir Rom gen Norden verlassen und fanden ohne grosse Probleme unsere im Vorfeld penibel recherchierte Route Richtung Bologna. Sehr schnell machten wir kostbare Meter gut und geniessen die herrliche Landschaft der Toskana.Wir hatten die letzten Jahre sehr viel Glück, das war uns bewusst. Deshalb haben wir uns auch dieses Mal auf den worst case eingestellt und dieser trat auch prompt ein. Bei Kilometer 190 hat sich dann unser bis dato sehr gut laufender und drehfreudiger Motor verabschiedet. Ein Motorwechsel war angesagt und erste Resignation im Team machten sich breit. Nach der zwölften Tasse Cappuccino sah die Lage schon wieder besser aus und wir konnten das Rennen nach 2,5h wieder fortsetzen. Ein wenig Motor schonender spulten wir monoton die restlichen Kilometer ohne weitere Zwischenfälle ab und erreichten unser erstes Etappenziel und Nachtlager zwischen Bologna und Modena am frühen Abend. Erfreut stellten wir fest, dass alle Teams heil angekommen waren und kein Mopedverlust zu beklagen war. Bei einer Pizza liess es sich schön reden und so gestärkt, ging es flugs an die kleine Inspektion (Ventile einschleifen, Brennraum nachpolieren, Kurbelwelle neu lagern, ... was man halt bei einer kleinen Inspektion alles so macht).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2.Etappe: Bologna - Innsbruck: 27.05.05/ca. 450km/Start 06:00 Uhr

Hochmotiviert ging es im Morgengrauen an den Start und die kühle Morgenluft versprach Leistung pur. Strassenmässig ist diese Etappe eine sehr schöne Strecke, wenn man 100PS und 1200ccm unter dem Hintern hat. Bei unseren Fünfzigern war Dauervollgas angesagt und deshalb forderte die Strecke ihre ersten Opfer. Der Simson-Motor hat uns verlassen, obwohl die kühnen Reiter uns im Vorfeld versichert haben, dass dieses ehemalige Ostprodukt auf 100 Jahre Dauerbetrieb ausgelegt sei. Was wir nicht wussten war, dass die Schüssel schon 101 Jahre auf dem Buckel hatte.

Auch das Vespa Roller Team musste Federn lassen. Ein kapitaler Motorschaden liess sich durch das neu entstandene Loch im Kurbelgehäuse diagnostizieren. Aber ein Hannibal Challenge Teilnehmer lässt sich durch so etwas nicht entmutigen. Vespa-Matthias erinnerte sich , dass er irgendwo in der heimatlichen Garage einen zweiten Motor rumliegen hat. Kurz ins Auto gesetzt, in die Heimat gefahren, Motor suchen und geschwind zurück geeilt. So war der Plan. Dass ausgerechnet an diesem Tag die Autobahn wegen einem Streik gesperrt war, das konnte keiner wissen. Um 3 Uhr morgens lief die Vespa wieder.

3. Etappe Innsbruck-Kelheim: 28.05.05/ca. 300km/Start 06:00 Uhr

Auf dieser Etappe war oberste Vorsicht angesagt. Ein Grossteil der Strecke führte durchs feindliche Österreich und die Österreicher werden ihrem Ruf als Raubritter voll gerecht. In jeder Ortschaft lauern stationäre Blitzer, so dass man keine konstanten Höchstgeschwindigkeiten fahren kann.

Also eine optimale Strecke für 4-Takter, da die Zweitaktfraktion hier ihren PS-Vorteil nicht ausnützen kann. Auf dieser Etappe gilt es, die Gunst der Stunde zu nutzen und sich im Windschattensog der ventillosen Übermacht ins Etappenziel schleppen zu lassen. An dieser Stelle gilt unser besonderer Dank Walter Traber aus der Schweiz. Der Windschatten seiner originalen Kreidler verhalf unserer auf  Topspeed ausgelegten SS50 zu einer brachialen Beschleunigung nach jedem Ampelstopp. Dank Walter war unsere SS auf dieser Etappe voll konkurrenzfähig und wir schöpften neue Kraft und Hoffnung für die alles entscheidende, letzte Etappe.

4.Etappe Kelheim-Speinshart: 28.05.05/ca.139km/Start 06:00 Uhr

Durch unseren Motorwechsel auf der ersten Etappe hatten wir zuviel Zeit verloren und ein Platz auf dem Podium war in unerreichbare Ferne gerückt. Klar erklärtes Ziel für die letzte Etappe war es die Kreidler-, Herkules- und Zündapptreiber in den Wahnsinn zu treiben. Mit folgender Taktik kann man mitunter recht erfolgreich sein: Man saugt sich im Windschatten an seinen Gegner ran und überholt ihn für einen kurzen Moment. Solche Aktionen machen Gemischfahrer unheimlich nervös und der gemeine Zweitaktfahrer beginnt an seiner reichlich vorhandenen Leistung zu zweifeln und dreht wie wild am Gasgriff. Das ist der Moment, wo man auf seinen zuverlässigen und vollgasfesten Viertakter baut. Flugs wieder in den Windschatten rein und diese Zeremonie beliebig oft wiederholen bis der feindliche Motor das Zeitliche segnet. Mehrfach erfolgreich erprobt hatten wir auch diesmal Glück, jedoch wurde der Triumph geschmälert als wir erfuhren, dass eine gerissene Kette am abrupten Stopp schuldig war.

Speinshart: 28.05.05/Ankunft 18:30 Uhr

Wer hat gewonnen? Dieses Jahr noch ein Zweitakter. Die Jungs haben einfach mehr Glück. Wir kommen nächstes Jahr wieder und bis dahin bleiben uns 12 Monate Zeit unsere SS50' zu vervollkommnen.

Ziel 2006: Mit 49ccm Viertakt-Power die dreistellige Höchstgeschwindigkeit zu knacken

So, wenn jetzt der eine oder andere Lust an der Sache bekommen hat, dann soll ersich in Vornherein klar sein, worauf er sich einlässt:

Bei den Mitbewerbern ist Leistung reichlich vorhanden, und das bei nur 49ccm Hubraum und bis zu 130 Km/h Topspeed.

Wenn ihr glaubt, euer 49ccm-Viertakter kann das auch, sehen wir uns nächstes Jahr an Fronleichnam morgens um 06:00 Uhr am Colloseum in Rom (Anmeldung unter www.mofarennen.de). Wir freuen uns auf jeden, der sich dieser Herausforderung stellt, mit ner Fuffziger die Alpen zu überqueren.

PS: Wir möchten uns an dieser Stelle bei
  • Burkhard Tech von der Monkey Garage in Duisburg
  • Martin Meinhardt aus Eberdingen und
  • Walter Rein aus Kirchheim

für die Hilfe und die vielen Tipps bedanken.

Autor: Jörg Krohmer

Für die Seite verantwortlich: Karl Traber (25.09.05)