Das Herz des Motors

Die Kurbelwelle muss mit hoher Präzision gefertigt sein. Bewährt haben sich bei der Gilera Saturno eingepresste zilindrische Hubzapfen mit käfiggeführten Nadellagern wie sie in modernen Yamahamotoren verwendet werden.

Im Bild unten ein originaler Hubzapfen, ausgelegt für 2-reihige 3/8-Zoll-Rollen. Die Fressspuren stammen vermutlich von Oelmangel. Der rechte Hubzapfen ist eine Neuanferigung für ein Nadellager.

Problematisch sind die Anlaufscheiben, welche sich links und rechts vom Pleuel auf dem Hubzapfen befinden. Sie sollen verhindern, dass das Pleuel die Hubscheiben berührt und sich dort einfressen kann. Sind die Anlaufscheiben durchgehärtet, können sie durch die feinen Vibrationen brechen, sind sie zu weich, so laufen sie ein. Versuche mit Messinganlaufscheiben haben bei Konkurrenten Erfolge gezeigt.

Das Pleuel ist eine carilloähnliche Spezialanfertigung, leichter und steifer als die Standardcarillos. Nicht verschraubt, Lagerring eingepresst und nachgeschliffen.

Das Richten der Kurbelwelle soll möglichst genau erfolgen und bei präziser Fertigung der Einzelteile im Bereich von 2/100 mm liegen. Das Richten einer Kurbelwelle ist nichts für sanfte Gemüter: Bleihammer und grobe Schläge im Zusammenspiel mit den Messuhren. Wer schon einmal einem Chirurgen bei der Operation zugesehen hat, weiss was ich meine. Wichtig ist das Resultat.

Tip: Voraussetzung für ein leichtes Hochdrehen ist die Kontrolle der Gehäusebohrungen: Oft fluchten sie nicht genügend genau, sodass die Kurbelwelle schräg im Gehäuse liegt. Der Kolben läuft dann auch leicht schräg. Natürlich richtet sich alles nach einer gewissen Laufzeit, vor allem wenn der Motor mit genügend Spiel zusammengebaut ist. Dem sagte man früher "Einlaufen" eines Motores. Es hatte aber eher mit grossen Fertigungstoleranzen und schlechten Oelen zu tun.