MILANO-TARANTO

Die Mille Miglia der Motorräder

Aus Milano-Napoli von 1919 bis 1925 wurde im Jahre 1932 die Milano-Taranto. Mit einem Unterbruch von 1940 bis 1950 wurde dieses Langstreckenrennen bis 1956 16 Mal durchgeführt. Auf einer Streckenlänge von ca. 1'300 km fuhren die Rennfahrer damals fast nonstop (nur tanken und verpflegen) während ca. 12 Stunden auf regulären Strassen von Mailand nach Taranto.

1955 siegte Francisci Bruno auf einer Gilera 500/4 in 11 Stunden, 5 Minuten und 25 Sekunden mit einem Schnitt von unglaublichen 126,234 km/h.

Seit nunmehr 17 Jahren organisiert der Moto Club Veteran „San Martino“, von San Martino in Colle (Provinz Perugia) www.milanotaranto.it ein Erinnerungsrennen von Mailand nach Taranto. In fünf Etappen wird die Strecke auf Landstrassen und durch die schönsten Gegenden Italiens gefahren.

Wir, eine Gruppe von Motorrad-Oldie-Enthusiasten aus dem Raume St.Gallen/Schweiz, haben dieses Jahr die Rievocazione Milano-Taranto 2003 gewagt.

Der Start im Minutentakt fand am Sonntag ab Mitternacht in Mailand-Idroscalo (Flugplatz Linate) statt und nach jeweils etwa 60 Kilometern gab es Kontrollstationen, immer mit einer kleinen Zwischenverpflegung und stärkenden (!) Getränken. Die Fahrt durch die Nacht brachte uns bis nach Bologna auf der etwas geraden Strada Statale. Am frühen Morgen waren wir in Forlimpopoli bei Forli und von da an ging‘s durch das obere Tal des Tibers, wo er noch klein und unbedeutend ist. Der erste Etappenort war Citta di Castello, ein wunderbarer Ort mit historischer Altstadt. Die Verpflegung und Unterkunft, sowie der Parc Fermé waren im Hotel Garden, einem erstklassigen Hotel mit Swimming Pool und feinster Küche.

Die zweite Etappe führte uns über kleinere Landstrassen kreuz und quer durch die Heimatgegend des organisierenden Clubs bis zum Etappenort Assisi. Dass fast 150 Motorräder, zum Teil recht laute Oldtimer, selbst auf dem Hauptplatz der heiligen Stadt des frommen Sankt Franciskus freudig empfangen wurden, ist typisch für das motorsportbegeisterte Italien. Selbst Mönche und Nonnen zeigten Interesse an unsern Fahrzeugen.

Die Dritte Etappe führte uns durch den Appennin, Teile des Gran Sasso Gebirges und über berühmte Pässe wie den Terminillo. Etappenziel dieser wunderschönen Bergstrecke war Avezzano, ein grösserer Ort mit hunderten von Schaulustigen und begeisterten Oldifans. Die Ankunft in Avezzano war ein Schauspiel der besonderen Art. Auf einem, vom übrigen Verkehr abgesperrten Strassenstück legte jeder Teilnehmer einen Endspurt mit Zieleinlauf hin, unter Beifall und Applaus des Publikums.

Die vierte Etappe ging von Avezzano durch die Berge, mitten durch den Abruzzen-Nationalpark. Auf einsamen, fast verkehrsfreien Bergstrassen, die zum grössten Teil in sehr gutem Zustand sind, war dieses Teilstück mit 335 km ein Erlebnis. Am Abend wurden wir von der Bevölkerung von San Marco in Lamis, einer Stadt auf den Bergen des Garganos (Sporen des Stiefels), wieder aufs herzlichste begrüsst. Auch hier, wie in den meisten Orten an unserer Strecke, waren die Polizia Stradale und die Vigili bemüht, uns freie Durchfahrt zu ermöglichen. „Ich habe in meinem ganzen Leben in Italien noch nie so viele Polizisten gesehen“, sagte einer der Teilnehmer. Selbstverständlich wurden in allen grösseren Orten die Bevölkerung mit Informationsaktionen darauf aufmerksam gemacht, wann und wo der Tross von Milano-Taranto durchfahren werde. So ist es auch verständlich, dass gerade in San Marco die Piazza Comunale voll Schaulustiger war und der normale Verkehr fast zum Erliegen kam. Die Italiener sind solchen Veranstaltungen gegenüber überaus wohlgesinnt.

 

Die fünfte und letzte Etappe war im Gegensatz zu den kurvigen Bergstrecken eine langgezogene Flachlandfahrt. Die sommerlichen Temperaturen liessen den Durst ansteigen und es war angesagt, die Motoren zu schonen. In Villa Castelli, ca. 30 km vor Taranto war der letzte Halt. Verpflegung, Erfrischung und Ansprachen vom Bürgermeister, dem Vereinspräsidenten etc. waren typische italienische Ingredienzien einer solchen Veranstaltung, filmreif !!! Im Corso fuhren wir dann bis vor die Tore von Taranto, wo uns die Polizei mit drei Autos und etwa zehn Motorrädern mit Blaulicht und Sirene bis zum Lungomare, der Promenade entlang des Meeres eskortierte. Der Abschluss bildete eine rasante Fahrt über den stehenden Kilometer mit symbolischem Zieleinlauf. Selbstverständlich war auch dieses Strassenstück vom übrigen Verkehr abgesperrt. Müde aber überglücklich waren wir alle, man umarmte sich, fotografierte jeden und jedes, der Stolz übertraf die Müdigkeit bei weitem. Das Abendessen mit anschliessender Rangverkündigung war für alle der Höhepunkt, so mancher schritt mit geschwellter Brust und einem Pokal in der Hand von der Bühne.

Zusammenfassend muss den Organisatoren und den Helfern ein riesiges Kompliment gemacht werden. Eine so perfekte Organisation im als chaotisch verschrienen Italien bereit zu stellen, ist eine Meisterleistung. Ob Besenwagen mit Mechaniker, Abschlepplastwagen oder Koffertransportdienst, ja selbst eine Ambulanz mit Arzt, es fehlte an gar nichts. Die Unterlagen (Roadbook) und die Streckenmarkierung waren so gut, dass ein Verfahren fast unmöglich war, fast !

Die Unterkunft in guten bis sehr guten Hotels und die Verpflegung sowohl auf der Fahrt, wie auch in den Hotels war sehr gut, italienisch halt. Dass das Ganze noch zu einem erschwinglichen Preis angeboten wird, sei nur nebenbei erwähnt.

Da wir alle so sehr beeindruckt und begeistert sind, möchten wir alle Freunde klassischer Motorräder ermutigen, dieses „Wagnis“ (ist es überhaupt nicht!) einmal selbst auszuprobieren.

Die nächste Milano-Taranto findet vom 4. bis 9. Juli 2004 statt.

Ich stehe allen Interessenten gerne für weitere Auskünfte zur Verfügung.

 

Hermann Tobler
Heiligkreuzstrasse 12a
CH 9008 St.Gallen /Schweiz
Tel. 0041 71 245 10 15
Fax 0041 71 245 10 67

e.mail vespa.shop@bluewin.ch

url.:     www.vespashop.ch