Zündapp K 400

Seit 1903 war Fritz  Neumeyer Besitzer einer Metallwarenfabrik in Nürnberg, die auf die Herstellung von technischem Spielzeug, wie Dampfmaschinen und Modelleisenbahnen, spezialisiert war.

Neumeyer war ständig auf der Suche nach neuen Produkten und er entwickelte auch ein Verfahren für die Herstellung von nahtlosen Messingrohren. Diese wurden damals unter anderem für die Röhrchenkühler der aufkommenden Automobile verwendet.

Typenschild (click on it) Hinteres Schutzblech mit Händlerschild Händlerschild

Nach dem Ausbruch des ersten Weltkriegs musste auch Neumeyer seine Produktion den neuen Verhältnissen anpassen und es entstand die Zünder- und Apparatebaugesellschaft.

Daraus wurde 1919  die Firma Zündapp.

Kriegsmaterial war in dieser Zeit nicht mehr so gefragt und so entschloss man sich zum Bau von Motorrädern.

1921 stellte Zündapp die Z22 vor. Ein Motorrad mit 2 Takt Motor, ohne Getriebe, mit Riemenantrieb. Dieses Modell wurde ständig weiter entwickelt, bekam ein Getriebe mit 2, später mit 3 Gängen und Motoren von 211 bis 300 ccm.  Dies alles waren einfache und zuverlässige Fahrzeuge, die in grossen Stückzahlen hergestellt wurden. Man nannte sie auch „Motorrad für Jedermann“.

1930 kam auch eine sportliche 500er Maschine mit einem englischen RUDGE-Motor mit 4 Ventilen hinzu. Aber eine eigene schwere Maschine hatte man noch nicht im Programm. Man engagierte Richard Küchen für die Konstruktion einer komplett neuen Modellreihe.

Die Sensation war perfekt, als Zündapp auf der Automobilausstellung im Frühjahr 1933 in Berlin die neuen K-Modelle enthüllte. Da standen die wunderschönen, als schnörkellose Einheit konstruierten und gezeichneten Motorräder, so sauber wie moderne Automobile.

 
Der Vorderteil ist bereits fertig   Das Kettengetriebe mit dem typisch
    langen Schalthebel mit H-Schaltung

Die K 400 und K 500 mit 2 Zylinder -, die K-600 und K-800 mit 4 Zylinder- Boxermotoren. Alle Modelle rollten auf einem praktisch identischen Fahrgestell, einem Kastenrahmen im Pressstahlverfahren hergestellt, mit Kardanantrieb und 4-Gang Kettengetriebe. Geschaltet wurde mit einem langen Schalthebel, der direkt nach dem autoüblichen H-Schema in das Getriebe eingriff. Da sah  man keine Oelleitungen, keine offenen, beweglichen Teile, ja nicht einmal Vergaser und Ansaugrohre. Alles war im grossen, glattflächigen Motorblock sauber untergebracht. Das in einer Zeit, wo  noch öltriefende Motoren, offene Ventilsteuerungen, fettschleudernde Ketten und qualmende, laut knatternde Auspuffe das Motorradbild prägten.

Zündapp wollte damit eine neue Kundschaft anpeilen, jene des gepflegten Tourenfahrers, und hat sie auch gefunden. Das zeigte sich in den Verkaufszahlen. Die K 500 wurde ca. 15 000, die K 800 ca.7500 mal gebaut. Nach dem ersten Produktionsjahr hat man die Modellreihe gestrafft und nahm die K-400 und K-600 aus dem Programm. Von der K-400 wurden 213, von der 600er sogar nur 25 Exemplare gebaut. Die 500er und 800er wurden praktisch unverändert bis in die Kriegsjahre weiter  gebaut.

Rollentachometer Meine restaurierten Räder Teile des Kettengetriebes

Natürlich waren die Verkaufsrenner immer noch die kleineren 2-Takt  Modelle. Schon 1933 verliess das 100'000. Motorrad die Fabrik in Nürnberg.

Meine Zündapp K 400

Neben dem gepflegten Tourenfahrer gab es immer auch die sportlichen und technikbegeisterten Motorradfahrer. Denen konnte es gar nicht genug sichtbare Mechanik und zerklüftete Technik an einem Motorrad  haben und auch einige Tropfen Oel auf den Stiefeln gehörten dazu. Zu dieser Kategorie habe auch ich mich gezählt. Eine Zündapp oder die anderen Deutschen „Boxer“ haben mich immer kalt gelassen.

Als dann unser Teammitglied Alex Meyer die K-400 aufgestöbert und aus ihrer Verbannung in einer Schlosserei erlöst hat, und sie wie Aschenputtel in unserer Werkstatt stand, da habe ich plötzlich ihre Schönheit entdeckt, und ich musste sie einfach haben.

Nach 40 Jahren in einer Schlosserei, nur dürftig zugedeckt, verschwand sie fast unter einer dicken Schicht von Grundierfarbspritzern und millimeterdicken Spuren von Schleifstaub.

   Zündapp mit den Spuren der Zeit

Alex und ich  haben dann an einigen Stellen diese Schicht mit Stahlwatte entfernt und darunter blinkte die Originalfarbe wieder hervor. Alles war komplett vorhanden. Der Zündschlüssel steckte. In der Werkzeugdose schimmelte ein Lederetui mit dem Bordwerkzeug vor sich hin, auch Lenkschloss mit Schlüssel waren da. Sogar die Luftpumpe war an ihrem Platz.

  Die sauber gekapselte Bauweise wurde Achsantrieb
  bis in jedes Detail durchgezogen  

Die K 400 unterscheidet sich von der K 500 nur durch die kleinere Zylinderbohrung (62 statt 69mm), der leichteren Gabel und der kleineren Vorderradbremse. Neben der geringeren Motorleistung war sie auch etwas leichter, nämlich 164  statt 180 kg.

Nun bin ich also stolzer Besitzer  dieser raren Maschine, die fast 70 Jahre überlebt hat und ich möchte sie möglichst in diesem Zustand belassen. Beim Zerlegen habe ich mich an jedem Teil gefreut, habe die schöne Konstruktion bewundert und die saubere Fertigung. Alle Teile wurden sorgfältig und schonend gereinigt und die Farbe, wo nötig,  mit Tupflack ausgebessert.  Jetzt wird wieder alles zusammengebaut und ich freue mich, bis der kleine Boxer wieder diskret und unauffällig im schönen Kastenrahmen werkelt.

Mail an Autor: Karl Dengler